Pictum pinxi
Atelier Birgit Kulessa

Warum "pictum pinxi"?

Die lateinischen Wörter "pictum pinxi" bedeuten übersetzt "ich habe ein Gemälde gemalt". Der Name meines Ateliers ist an historische Künstlersignaturen angelehnt, denn ab dem Spätmittelalter verbreitete es sich, dass Maler ihre Bilder mit ihrem Namen und dem Zusatz "pinxit" ("er/sie hat es gemalt") als ihr pesönliches Werk kennzeichneten. In der Antike waren Signaturen vor allem bei griechischen Malern üblich, viele Namen von Künstler und  Künstlerinnen sind überliefert.  Im Mittelalter dagegen blieben sie meist anonym, erst in der Renaissance hat ein neues Persönlichkeitsbewusstsein der Künstler die Signatur zum Schutz der Urheberschaft wieder belebt. Heute, im Zeitalter der Fotografie und KI generierter Bilder, stellt sich zunehmend wieder die Frage nach den handwerlichen Aspekten der Malerei. Warum naturalistisch oder fotorealistisch malen? Der Name meines Ateliers bringt zum Ausdruck, dass ich meine Arbeitsweise in einer alten Tradition sehe. Meine Bilder basieren auf möglichst genauer Betrachtung, sowohl von Objekten als auch von Atmosphären. Dabei ist jedes Bild auch ein Lehrstück mit neuen Herausforderungen. 

Die perfekte Illusion

Ein Ziel antiker Malerei war dabei die vollkommene Täuschung des Betrachters zu erreichen. Plinius schildert 77 n. Chr. den Wettstreit zweier berühmter griechischer Maler folgendermaßen: 

 

 

"Zeuxis malte im Wettstreit mit Parrhasios so naturgetreue Trauben, dass Vögel herbeiflogen, um an ihnen zu picken. Daraufhin führte Parrhasius seinem Gegner ein Gemälde vor, auf dem ein Leinenvorhang zu sehen war. Als Zeuxis ungeduldig bat, diesen doch endlich beiseite zu schieben, um das sich vermeintlich dahinter befindliche Bild zu betrachten, hatte Parrhasius den Sieg sicher, da er es geschafft hatte, Zeuxis zu täuschen. Der Vorhang war nämlich gemalt." 

(Plinius, Naturalis Historia XXXV, 64)

Marcus Tullius Cicero berichtet über Zeuxis, der ein Bild der Helena malen sollte, die als die schönste Frau der Welt galt. Zeuxis glaubte nicht, dass ein einziges Modell vollkommen genug sei, um diese Schönheit darzustellen. Ihm dienten fünf Mädchen als Modell und er kombinierte deren schönste Eigenschaften zu einem „stummen“ Bild, also einer idaelen Person.

 

"Neque enim putavit omnia, quae quaereret ad venustatem, uno se in corpore reperire posse ideo, quod nihil simplici in genere omnibus ex partibus perfectum natura expolivit."

"Denn er glaubte nicht, dass er alles, was er an Schönheit suchte, in einem einzigen Körper finden könnte, weil die Natur nichts in einer einfachen Art in allen Teilen vollkommen gemacht hat."

 

(Marcus Tullius Cicero, De Inventione II, 1-3, 1. Jh. v. Chr.

Dabei reduzierte sich die Rolle der Frauen keineswegs darauf, als Modell zu dienen. Frauen waren selbst berühmte Künstlerinnen, die den Ruhm ihrer männlichen Kollegen mitunter weit überragten.

 

So berichtet es Plinius über die Künstlerin Iaia aus Kyzikos: 

"Iaia Cyzicena ... malte in Rom sowohl mit Bleistift als auch mit Pinsel auf Elfenbein Bilder von Frauen und in Neapel eine alte Frau auf einer großen Tafel sowie ihr eigenes Spiegelbild. Keine andere Malerin war schneller, und ihr Talent war so groß, dass sie die berühmtesten Porträtmaler ihrer Zeit, Sopolis und Dionysius, deren Gemälde die Galerien füllen, weit übertraf." 

(Plinius, Naturalis Historia XXXV, 147–148).

Iaia verwendet einen Spiegel zum malen eines Selbstportrait, 

Giovanni Boccaccio, De Mulieribus Claris (um 1403, Bibliothèque nationale de France).

Auch Bildkompositionen auf der Grundlage verschiedner Vorbilder waren üblich und dienten, gemäß der der "mimesis" (Nachahmung), nicht nur dazu, eine Sache oder Person darzustellen, sondern die Pefektion auf Grundlage von  verschiedenen Vorlagen zu erreichen.

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